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Sonntag, 12. Juli 2020

#18 - Wie organisiere ich ein LARP?

Nachdem ich es im letzten Post schon angekündigt habe, wollte ich heute erzählen, wie wir Somerton Hall, unser Downton Abbey inspiriertes LARP organisieren (Für einen kurzen Überblick dazu was ein LARP ist könnt ihr hier klicken). Dazu werde ich den Ablauf in acht grobe Schritte einteilen. Die einzelnen Schritte sind natürlich leider viel komplexer, als es auf den ersten Blick scheint, aber alles detaillreich aufzulisten würde den Ramen sprengen (vielleicht werde ich zu einzelnen Schritten einmal ausführlichere Posts machen).

1. Der erste Schritt ist natürlich das Thema zu finden. Um was soll es gehen? Vampire? Piraten auf hoher See? Gangster in den 1920ern? Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Es geht nur darum herauszufinden was euch interessiert.
Für uns war klar, dass wir die Geschichte eines englischen Adelshauses spielen wollten, angelehnt an die Serie Downton Abbey. Zudem war es relativ schnell klar, dass wir in den 1910ern spielen wollten, noch vor dem ersten Weltkrieg. So haben wir uns schnell auf 1912 als das Jahr geeinigt, das wir spielen wollten.
Und damit war der erste Schritt getan und wir konnten uns dem zweiten Schritt zuwenden:
2. Was ist der allgemeine Plot? Was soll passieren? Es sollte eine Motivation oder einen Grund dafür geben, dass ihr gerade jetzt diese eine bestimmte Sache spielt. Ist das ein Krieg, der zwischen zwei verfeindeten Piratenklans ausgebrochen ist? Oder klassisch für ein Krimidinner - ein Mord der aufgeklärt werden muss?
Natürlich muss es nicht immer so dramatisch sein. Wir haben uns letzten Endes dazu entschieden als "Aufhänger" zu haben, dass die Familie gerade mitten in den Vorbereitungen für die Hochzeit des einzigen Sohns und Erben des Hauses ist. So viel haben wir auch unseren Spielern verraten. Was diese nicht wussten, ist dass Samuels Verlobte Amerikanerin ist und er gemeinsam mit seinem Vater (dem Lord) auf dem Weg nach Amerika ist und tragisch auf der Titanic sein leben verlieren wird.
Damit hatten wir also eine Idee was wir genau machen wollten. Weitere Details der Story ließen sich zu diesem Zeitpunkt leider noch nicht planen, da dieses spezielle LARP sehr abhängig war von den Spielern und welche Charakter diese sich ausdenken würden. Daher mussten weitere Plotdetails warten, bis die Spieler klar waren.
3. Dann geht es an die organisatorische, weniger kreative Arbeit. Diese beinhaltet Spieler finden (über Freunde oder das Internet zum Beispiel), kalkulieren, wie viele Spieler tatsächlich teilnehmen werden, entsprechende Locations und ein Datum finden und den Preis für die Spieler kalkulieren. Das ist am Anfang gar nicht so einfach, wir sind letzten Endes bei 60€ pro Person gelandet, was letzten Endes ganz knapp hingehauen hat.
Wenn dies erledigt ist, kann man tatsächliche Anmeldebögen an die Spieler versenden (naürlich mit einer Deadline versehen).
4. Sobald diese Deadline ausgelaufen ist, kann der nächste Schritt beginnen. Die Spieler müssen Charakterbögen erstellen (dies ist ein Dokument, das einen Überblick über den Charakter gibt, der gespielt werden soll). Dafür haben wir unsere Spieler zunächst in Upstairs und Downstairs, also Teil der Familie oder Teil der Bediensteten eingeteilt.Ebenso haben Sophie und ich uns aufgeteilt. Sophie wurde zu Lady Catherine Edwards, der Lady of the House und ich wurde zu Mrs Mason, the Housekeeper.
Sobald uns die Charakterbögen vorlagen konnten wir uns dann noch einmal genauer mit unserem Plot beschäftigen: Wer ist da? Was könnte für diese Person passieren? Was können diese den ganzen Tag lang machen?
An dieser Stelle muss ich zugeben, dass wir für Somerton Hall das erste mal ein wenig unterschätzt haben wie lange ein Tag sein kann und daher gab es dann leider doch nicht genug zu tun für alle unsere Spieler (aber aus Fehlern lernt man und für Somerton Hall II haben wir stark daran gearbeitet, dass unsere Spieler hoffentlich mehr zu tun haben werden).
5. Der Plot steht? Super! Das bedeutet auch, dass nun Briefe geschrieben werden müssen. Was kommt den ganzen Tag so an? Wer schreibt was an wen? Welches Telegramm trifft vielleicht ein? Kurz gesagt: Probs.
Das ist tatsächlich einer meiner liebsten Teile. Für Somerton Hall haben wir zum Beispiel ein Telegramm gebastelt, dass am zweiten Abend angekommen ist und alle über den Untergang der Titanic informiert hat. Am nächsten Morgen kam eine Zeitung an, die über den Untergang berichtet hat.
Kurz gesagt: Versucht Dinge zu finden / zu erstellen, die helfen das Universum lebhafter und realer zu gestalten.
6. Vergesst nicht euren Spielern verschiedene Ressourcen zur Verfügung zu stellen: Regeln des LARPs, was wird angesichts des Kostüms verlangt, was ist beim Spielen zu beachten? Und für uns auch: allgemeine Informationen zu der historischen Realität.
Als Tipp: Google Drive ist unglaublich praktisch für all diese Dinge (und auch das Hochladen der Charakterbögen, damit die Spieler auch schon wissen, auf wen sie später treffen werden).
7. Das LARP steht kurz bevor. Jetzt heißt es das Geld der Spieler einsammeln, Einkaufslisten schreiben, zu organisieren was es zu Essen geben wird. Die letzten Vorbereitungen treffen. Das Kostüm muss besorgt werden. Die Hinfahrt und Rückfahrt soll organisiert werden. Es gibt viel Organisatorisches zu erledigen.
8. Der Tag des LARPs ist gekommen: Jetzt heißt es nur die Location dekorieren, versuchen die Spieler herzlich aufzunehmen, damit sich alle wohlfühlen und letzten Endes: spielen.
Hierbei ist eine Sache zu beachten. Egal was man sich vorher überlegt hat: es wird anders kommen. Der Ablauf des Spiels hängt so stark damit zusammen was die Spieler machen, dass es unmöglich ist dies vorauszusehen. Aber das ist doch auch der halbe Spaß :)



Sonntag, 14. Juni 2020

#17 - LARPing

Ich glaube wir alle wünschen uns manchmal in unsere Lieblingsfilme oder - serien eintauchen zu können. Zumindest kurz mal in einer anderen Welt leben.
Im letzten Jahr habe ich ein neues Hobby gefunden, dass mir genau das erlaubt: LARP.
Aber was ist LARP eigentlich?
LARP steht für Live Action Role Play und ist prinzipiell nichts anderes als "Mutter-Vater-Kind" Spiele für Erwachsene. Als Kinder haben wir alle die verrücktesten Spiele gespielt, wir waren Piraten auf der Suche nach einem Schatz, Cowboys, die durch den wilden Westen reiten oder Monsterjäger auf der Mission die Welt zu retten. Und das alles mit Hilfe unserer Fantasie. Genau das ist LARP. Es wird zwar allgemeinhin gesagt, dass Kinder ihre Fantasie mit den Jahren "verlieren", ich würde jedoch behaupten, dass sie aberzogen wird. Es ist alles noch da und wir müssen uns nur von gesellschaftlichen Normen losmachen um sie wiederzufinden.
Es gibt super viele verschiedene (professionelle) LARPs zu allen möglichen Themen, wie zum Beispiel mittelalterliche Fantasiewelten, Harry Potter inspirierte Schulen, Piraten, Vampire,... Die Liste hat kaum ein Ende. Die Grenzen sind nur die Grenzen der Fantasie und das ist ja das schöne.

Meine erste LARP-Erfahrung habe ich Halloween 2018 gemacht. Zu der Zeit habe ich mit meiner besten Freundin Sophie zusammengewohnt und wir hatten für eine Weile eine gewisse Melancholie zu unserer Twilight Phase was wir zum Anlass nahmen, uns als Vampire verkleiden zu wollen (it's all about the aesthetic). Weil wir aber Sachen nicht auf einem gedingenen, normalen Level machen können und uns gegenseitig immer wieder neue Ideen zuwerfen ist die ganze Geschichte ein wenig eskaliert und resultierte letztlich in einem selbst geschriebenen Krimidinner für 8 unserer Freunde, die sich alle als Vampire am französischen Hof in 1704 verkleiden mussten.
Es lief sicher nicht alles glatt, aber damit hatten wir Blut geleckt. Das organisieren, die Vorfreude und die kreative Arbeit, die wir in dieses Dinner gesteckt hatten, ließ uns nicht los. Also kam im April 2019 die zweite Installation.

Schon bevor wir diese ersten Erfahrungen gesammelt haben, ist unsere kollektive Aufmerksamkeit bei "Fairweather Manor" hängengeblieben. Fairweather Manor war ein Downton Abbey inspiriertes LARP, auf das wir beide gerne gehen wollten. Wie die meisten "professionellen" LARPs, war es allerdings relativ teuer und für uns so eigentlich nicht drin. Da saßen wir eines Abends in unserer Küche und dachten uns "Wieso machen wir sowas eigentlich nicht selber?". Und wie immer, wenn eine von uns eine Idee in den Raum warf, wurde sie nicht verworfen, sondern weitergespunnen und letzten Endes stand im November 2019 das erste Mal "Somerton Hall", unser eigenes Downton Abbey inspiriertes LARP statt.

Es ist schwer festzulegen was genau am Organisieren dieser LARPs so viel Spaß macht, aber wenn ich eine Antwort geben müsste würde ich sagen, dass es die Kombination der kreativen Arbeit und den organisatorischen Aspekten ist. Es ist einfach super vielfältig.
Ich habe aber vor in anderen Posts noch einmal genauer darauf einzugehen wie wir unsere LARPs planen und was alles an Arbeit und Planung hinter einem Wochenende "play pretend" steckt. Denn, wer hätte es gedacht: Momentan sind zwei LARPs in Planung. Somerton Hall 2 für November 2020 und Brockenburg (ein Harry Potter inspiriertes LARP) für Januar 2021.

# 16 - Miss Rona und 2020

Und erneut muss ich damit beginnen zu sagen, dass ich nach dem letzten Post super motiviert war jetzt dann auch wirklich regelmäßig Blogeinträge zu schreiben (ich hatte mir sogar verschiedene Ideen für Themen aufgeschrieben), aber letzten Endes siegt dann doch immer die Faulheit oder Demotivation.
Zumindest so lange bis ein neuer großer Schub Motivation mit all ihren Versprechungen und Ideen auftaucht. Schwerlich zu erkennen hat sie mich jetzt erneut gepackt (es bleibt abzuwarten wie lange sie diesmal bleibt).

Bevor ich mit Einträgen über all die kleinen Dinge beginnen kann, mit denen mein Hirn sich den ganzen Tag so beschäftigt, muss natürlich der "Elefant in the room" angesprochen werden: Der absolute Wahnsinn der 2020 ist.
Aber der Reihe nach. Beginnen wir da wo wir aufgehört haben: Im September 2019.
Am Ende des letzten Eintrags konnte man vielleicht heraushören, dass ich zwar unglaublich glücklich in meinem Job war, aber das gefühlt hatte zu stagnieren. Nach einer Weile ist die Arbeit doch zu einem großen Teil sehr repetetiv und obschon das natürlich auch Vorteile bringt (eine Komfortzone, in der man sicher agieren kann), fehlt auf Dauer einfach neue Stimulation.
Es lässt sich darüber streiten, ob dies mit der Art und Weise zusammenhängt wie meine (und jüngere) Generationen aufgewachsen sind. Uns wurde von klein auf durch Filme, Serien und Bücher versprochen, dass unser Leben auf etwas großartiges, außergewöhnliches herauslaufen wird. Letzten Endes ist das aber nicht wie die Welt funktioniert, also suchen wir nun konstant nach etwas, das es gar nicht gibt in der Hoffnung auf Erfüllung.
Ich hatte also begonnen mich nach verschiedenen Studiengängen umzuhören und nach anderen Ideen für meine Zukunft zu suchen. Ich musste auch gar nicht weit schauen. Im Dezember 2019 bei meinem Jahresendgespräch wurde mir auf der Arbeit eine neue Position angeboten. Statt im Au Pair USA Team zu arbeiten, bot man mir an in das Au Pair "Andere Länder" (Australien, Neuseeland, Kanada und China) Team zu wechseln. Ich sollte die Verantwortung für Au Pair in Australien übernehmen und dieses Land betreuen. Das würde für mich bedeuten: neue Abläufe und Regelungen lernen, in einem anderen Team arbeiten und vor allem: Mehr Verantwortung.
Obschon ich sehr an Au Pair USA hing (die Melancholie das Programm selber gemacht zu haben wird daran nicht unbeteiligt gewesen sein), habe ich letzten Endes die neue Position angefangen und zu Anfang Januar begonnen das Au Pair in Australien Programm zu betreuen.
Und es hat schon gut angefangen mit den Buschbränden. Das war für die Einarbeitung auf jeden Fall nicht ganz so förderlich, aber irgendwie geht ja alles. Ich habe mich langsam in die neue Position eingefunden und Schritt für Schritt neue Sachen gelernt.
Und dann kam Corona.
Ich will gar nicht auf den privaten Aspekt eingehen, das würde jetzt deutlich den Rahmen sprengen, aber im Tourismus zu arbeiten während einer weltweiten Pandemie ist schon eine Erfahrung.
Gerade im März, als es so richtig losging war es - und ich kann es nicht anders beschreiben - furchtbar. Wir haben alle Überstunden en masse gemacht und die meiste Zeit unserer Tage damit verbracht uns am Telefon anschreien zu lassen. Zum Glück hat sich das irgendwann etwas gelegt und wir sind nur noch mit dem Problem konfrontiert, dass niemand mehr verlässliche Aussagen tätigen kann. "Wann kann ich wieder einreisen?" "Geht mein Flug denn auch sicher?" "Wann wird mein Visum bestätigt?", alles Fragen, die ich jeden Tag höre und nur mit einem sicheren "Ich weiß es nicht" beantworten kann.
Abgesehen davon macht Covid-19 auch in einem anderen Aspekt mein Arbeitsleben nicht ganz einfach: Die Tourismusbranche verdient kein Geld mehr. AIFS ist glücklicherweise noch relativ gut aufgestellt, aber natürlich auch nicht immun gegen fehlende Einnahmen. Heißt kurz gesagt: Wir sind in Kurzarbeit. Zwar nicht in 100%, aber es ist schon ein Unterschied von 40 Stunden auf 20 Stunden runterzugehen (vor allem wenn die Arbeit selbst dabei nicht auch weniger wird).
Um aber wieder auf positivere Gedanken zu kommen: 20 Stunden zusätzliche Freizeit pro Woche bedeuten auch mehr Zeit für mich und meine kreativen Ausbrüche.
Bis jetzt haben sie sich nicht auf den Blog konzentriert, sondern auf andere Dinge (die vermutlich aber auch ihren Weg hierhin finden werden), aber wer weiß, vielleicht habe ich ja jetzt ein altes Hobby wiederentdeckt?

Mittwoch, 18. September 2019

#15 - Das Ende?

Und wer hätte das gedacht? Nach über zweieinhalb Jahren habe ich mich tatsächlich wieder an die Existenz dieses Blogs erinnert und mich hat das Bedürfnis überkommen wieder anzufangen zu bloggen.
Ich weiß kaum wo ich anfangen soll mit all den Dingen, die sich verändert haben, all den Updates in meinem Leben, seit dem letzten Post.
Was ich sagen kann ist aber folgendes: Die Zukunft, wie sehr man auch vor ihr weglaufen möchte, holt einen immer wieder ein. Das muss aber nichts schlechtes sein. In den letzten Jahren habe ich allen voran gelernt: Es geht immer weiter und irgendwann lösen sich alle Problem. Im Englischen gibt es die schöne Aussage "everything will fall into place" und besser kann ich es nicht beschreiben.
Vor dem Studium, während dem Studium und auch jetzt noch wirkt die Zukunft so furchteinflößend und groß und ungewiss, aber irgendwie kommt doch alles immer zusammen.
Und ganz wie in akademischen Arbeiten kommt nach der Ausführung der Theorie dann die tatsächliche Anwendung ebenjener, oder in diesem Fall eben: Das habe ich bis jetzt gemacht.

Der letzte Stand auf diesem Blog war, dass ich in meinem dritten Semester des Germanistikstudiums war, mit wenig Perspektive oder Lust auf alles was nach dem Studium wohl folgen könnte. In der Zwischenzeit habe ich es geschafft mein Studium abzuschließen und tatsächlich schon ein Jahr in Vollzeit zu arbeiten. Und das kam ganz unverhofft.
Gegen Ende meines fünften Semesters wurde mir nämlich auf einmal bewusst, dass es nur noch ein weiteres Semester geben würde, danach wäre ich fertig und was soll ich denn dann bitte machen? Das Masterstudium war nur als Notfallplan irgendwo in meinem Gehirn hinterlegt, eigentlich war ich ziemlich durch mit Studieren und konnte es gar nicht erwarten endlich fertig zu sein.
Also habe ich mich in die furchteinflößende Welt der Jobsuche begeben. Und mit jeder weiteren Jobausschreibung, die ich mir angeschaut habe wurde ich demotivierter und demotivierter. Das Problem mit dem Studieren einer Geisteswissenschaft ist nämlich, dass das Studium selbst super ist, aber die Aussicht im Anschluss daran eher weniger. Niemand wollte mich haben, ist was ich eigentlich ausdrücken sollte.
Auf gut Glück bin ich dann auf die Website von AIFS, meiner ehemaligen Au Pair Agentur gegangen. Für diese habe ich während des Studiums auch immer mal wieder auf Vorbereitungstreffen mitgeholfen und mir währen diesen immer gedacht "Wow! Das ist mein absoluter Traumjob, genau das will ich einmal machen!", ohne große Hoffnung natürlich, denn wieso würden die mich haben wollen, wenn dort doch sicherlich alle Mitarbeiter Schlange stehen?
Zufälligerweise war auf der Website dann gerade ein Praktikumsplatz in der Au Pair USA Abteilung ausgeschrieben und da ich in meinem sechsten Semester sowieso keine Kurse mehr haben würde und nur noch meine Bachelorarbeit schreiben musste, habe ich mich direkt auf diese Stelle beworben. Und zack, wurde ich auch zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen. Ich war davor natürlich super nervös, aber als ich da war musste ich feststellen, dass es gar keinen Grund dafür gab, denn noch bevor das Gespräch richtig angefangen hatte wurde ich gefragt, ob ich anstelle des Praktikums vielleicht auch eine Vollzeitanstellung antreten wollen würde, zufälligerweise war nämlich gerade eine Stelle frei geworden. Ob ich das wollen würde? Man hatte mir ja gerade nur meinen Traumjob angeboten.
Um euch die weiteren Details zu ersparen: Seit August 2018 arbeite ich jetzt als "Program Specialist Au Pair". Und auch wenn nicht jeder Tag toll ist (wie das eben so ist im Leben), kann ich mich wirklich unglaublich glücklich schätzen direkt nach dem Studium so einen tollen Job bekommen zu haben.

Und jetzt könnte man sich denken: Wow, das war doch jetzt ein Happy Ending, zu den 14 vorausgegangenen Posts, durch die man nur am Rande die existenziellen Ängste von Jenny mitbekommen hat. Aber wie das so ist im Leben, gibt es kaum jemals einen finalen Abschluss. Denn immer wenn man denkt "Da will ich hin" und dann tatsächlich dort ist fällt einem früher oder später auf, dass Stillstand nicht das Optimum der menschlichen Existenz ist.
Und mit diesem Cliffhanger würde ich den Post jetzt beenden. Ich bin noch lange nicht am Ende angekommen und habe vor weiterzugehen, die Frage ist natürlich nur immer: Welchen Weg werde ich jetzt einschlagen?

Dienstag, 3. Januar 2017

#14 - Neues Jahr, neues Glück?

Eine meiner ersten Erinnerungen an Silvester und Neujahr ist mein Papa, der gesagt hat: "Morgen sieht die Welt ganz anders aus". Voller Erwartungen bin ich damals ins Bett gegangen und am nächsten Morgen, dem ersten Januar, bin ich aufgewacht und war gespannt wie die Welt denn nun wohl aussehen würde. An diesem Tag sind wir dann durch unser Dorf spaziert und es sah alles aus wie immer. Nichts hatte sich verändert. Der einzige Unterschied zu all den Tagen davor war, dass überall der Müll von Raketen und Böllern herumlag. Ich habe mich damals gefragt, ob das jetzt der große Unterschied sein soll. Ob der Müll dieses 'ganz anders' sein soll. Ich war wohl selten so enttäuscht wie damals. Und vielleicht war das der erste Moment, in dem mir klar wurde, dass eine neue Jahreszahl nicht bedeutet, dass ein neues Leben beginnt. Und doch lebt man irgendwie in der Erwartung, dass nächstes Jahr alles anders wird. Eine Hoffnung die darauf beruht zu sagen, dass es gute Umrundungen der Erde um die Sonne gibt und schlechte. Nun wird 2016 natürlich als eine dieser furchtbaren Umrundungen dargestellt und natürlich kann es manchmal so wirken und wenn man sich sein Leben anschaut wird es mit Sicherheit einige schlechte Dinge geben, die im letzten Jahr geschehen sind, so auch für mich, aber bedeutet das automatisch, dass das ganze Jahr furchtbar war? Gab es jemals ein Jahr, in dem nichts schlechtes geschehen ist und das nur super war? Ich bezweifle das sehr stark. Und so wird auch 2017 nicht auf einmal anders und super, nur weil die Erde begonnen hat eine neue Runde um die Sonne zu ziehen. Es werden gute Dinge geschehen und schlechte Dinge. Denn das ist das Leben und das hat auch nichts mit einem bestimmten Jahr zu tun, sondern ist nun mal leider einfach so.

Mittwoch, 18. Mai 2016

#13 - Diese Zeiten...

Habt Ihr auch manchmal diese Zeiten, in denen Ihr irgendwie ohne Grund ganz merkwürdig drauf seid?
Ich habe momentan so eine Zeit, seit ein paar Tagen fehlt bei mir einfach sämtliche Motivation und ich weiß nicht mehr wieso ich überhaupt mache, was ich mache. Und ich kann einfach nicht produktiv sein. Gerade jetzt in den Pfingstferien (die wir tatsächlich haben, ich bin auch immer noch erstaunt) hätte ich so viel Zeit so viel aufzuholen und was für die Uni zu machen und Bewerbungen zu schreiben und Leute zu besuchen, aber irgendwie ist einfach die Luft raus. Ich bin schon überrascht, dass ich es geschafft habe heute ein bisschen was zu lesen. Und ich weiß einfach nicht woran es liegt. Daran, dass das Wetter wieder schlechter geworden ist? Obschon das auch keine ordentliche Erklärung für diesen, nennen wir es mal "Gemütszustand" ist.
Und als ob es nicht schon genug wäre, dass ich nichts auf die Reihe bekomme, nein, ich muss natürlich auch noch die ganze Zeit den Sinn des Lebens in Frage stellen. Und das meine ich wortwörtlich. Wieso leben wir überhaupt? Was will ich im Leben erreichen? Was sind meine Wünsche und Ziele? Wo will ich in 10 Jahren sein? Was erwarte ich? Was mag ich überhaupt? Mag ich diese Sache wirklich, oder mag ich nur den Gedanken, dass ich diese Sache mag? Bilde ich mir ein Dinge zu mögen? Wie bin ich eigentlich wirklich? Was ist Wissen? Wissen wir überhaupt irgendetwas mit absoluter Sicherheit? Das wäre nur eine kleine Auswahl der Fragen, die mir von morgens bis abends durch den Kopf gehen. Und ich habe auf keine dieser Fragen keine Antwort, keine hundert prozentige auf jeden Fall und das stört mich. Ich gucke auf mein Leben und denke mir die ganze Zeit "Ich weiß es nicht!".
Ist es verwunderlich, dass ich abends Kopfschmerzen habe, wenn ich den ganzen Tag ein und dieselben Fragen immer und immer wieder in meinem Kopf mit mir selbst diskutiert habe? Ich habe gefühlt jedes erdenkliche Argument doppelt und dreifach umgedreht und begutachtet und bin trotzdem nicht zu einem Schluss gekommen.

Ich befinde mich also im Moment in einer dieser Zeiten. Ich denke, ich könnte sie fast als eine Art "Existential Crisis" beschreiben. Und ich weiß nicht, ob es nur mir so geht, aber alle paar Monate habe ich mal eine Zeit in der das einfach vorherrscht. Und irgendwie würde ich diesen Post gerne mit ein paar positiven und motivierenden Worten abschließen, aber das würde mir falsch vorkommen. Manchmal ist das Leben eben nicht super toll und alles fühlt sich irgendwie doof an.

Freitag, 29. April 2016

#12 - Zurück zum Alltag...

Tja, das war's tatsächlich schon wieder. Die Semesterferien sind vorbei, auch wenn ich das selbst noch nicht ganz glauben kann, wo ist bitte die Zeit hin (Ihr könnt Euch übrigens merken, dass das ein immer wiederkehrendes Leitmotiv dieses Blog ist)? Die Uni hat sogar schon vor ein paar Wochen wieder angefangen und ich bin schon wieder fleißig in Texten und Büchern versunken. Wasim Übrigen auch der Grund dafür ist, dass jetzt erst der nächste Eintrag kommt (was eiskalt gelogen ist, muss ich jetzt vielleicht doch zugeben, ich hätte theoretisch Zeit gehabt, aber diese Zeit habe ich dann lieber damit verbracht Serien zu gucken).
Diese Woche habe ich dann auch mal meinen neuen Personalausweis bekommen, mein alter wäre nämlich jetzt leider im Mai abgelaufen und da es als deutscher Staatsbürger meine Pflicht ist mich ausweisen zu können und ich wenig Lust habe meinen Reisepass überall hinzuschleppen (was durchaus eine Möglichkeit wäre, wenn ich das so richtig verstanden habe) bin ich dann also auf's Amt gedackelt. Und falls Ihr irgendetwas über mich wisst, dann wisst Ihr, dass ich Ämter über alles hasse. Die Überwindung mich dahinzubewegen und mich mit unfreundlichen Beamten auseinanderzusetzen ist schon groß. Aber man muss tuen, was man tuen muss, also habe ich es dann doch gewagt und nach ewigem Warten konnte ich dann vor ner halben Ewigkeit auch den neuen (kleinen, nicht schönen) Personalausweis beantragen. Am Mittwoch war ich dann wie gesagt ja da und es war eine sehr weise Entscheidung von mir das an ebenjenem Tag zu machen. Die swb (also Bus- und Bahn im Kreis Bonn) hat nämlich gestreikt, was zur Folge hatte, dass das ganze Amt super leer war. Ich musste NICHT warten, überhaupt nicht! Es war toll.
Naja, abgesehen davon habe ich nicht so viel Neues zu erzählen, obwohl ich mir echt Gedanken gemacht habe über Dinge die ich bloggen könnte und ich habe sogar einige Ideen, die aber alle einen seperaten Eintrag verdienen. Das hier ist dann mehr ein Eintrag der Euch daran erinnern soll, dass ich in der Tat noch lebe und nur zu beschäftigt (faul) bin ordentliche Einträge zu schreiben.
Eine Sache über die ich zum Beispiel demnächst (vielleicht) einmal bloggen werde ist die Tatsache, dass ich jetzt versuche meine Ernährung umzustellen, wenn ich in Bonn bin gar kein Fleisch mehr zu essen und weniger Kohlenhydrate, wie gut das funktionieren wird sehen wir dann. Ich habe immerhin schon eine Woche durchgehalten, was durchaus ungewöhnlich für mich ist. Wir werden sehen.
Das war's dann auch erstmal wieder von mir, bis zum nächsten Eintrag dann.